Beilagen
1
[Aufruf des Mainzer Arbeiterbildungsvereins an alle Arbeiter Deutschlands zur Gründung von Arbeitervereinen und zur Vorbereitung eines Arbeiterkongresses]
An alle Arbeiter Deutschlands!
Brüder und Arbeiter!
Wollen wir nicht abermals die Meistbetrogenen sein, nicht ferner auf eine lange Reihe von Jahren hinaus durch eine kleine Zahl ausgebeutet, verachtet und niedergetreten werden, so dürfen wir keinen Augenblick verlieren, keine Minute in Untätigkeit verstreichen lassen.
Vereinzelt, wie bisher, sind wir schwach, obgleich wir Millionen zählen. Vereinigt und organisiert werden wir dagegen eine unwiderstehliche Macht bilden. Drum, Brüder, überall in Städten und Dörfern Arbeitervereine gebildet, in denen unsere Verhältnisse erörtert, Maßregeln zur Abänderung unserer jetzigen Lage vorgeschlagen, Vertreter aus der Arbeiterklasse ins deutsche Parlament namhaft gemacht, erwählt und alle übrigen Schritte getan werden, die zur Wahrung unserer Interessen nötig sind. Sämtliche Arbeitervereine Deutschlands müssen ferner so schnell als möglich miteinander in Verbindung treten und darin bleiben.
Wir schlagen Euch vor, Mainz vorläufig zum Mittelpunkte für sämtliche Arbeitervereine zu wählen und mit dem unterzeichneten Vorstande in Korrespondenz zu treten, damit wir uns über einen gemeinsamen Plan verständigen und sobald als möglich auf einer Zusammenkunft von Abgeordneten aller Vereine den Sitz des Zentralkomitees etc. definitiv bestimmen können.
Wir erwarten die Briefe unfrankiert, wie wir unsererseits an die Vereine unfrankiert schreiben werden.
Mainz, am 5. April 1848
Der Bildungsverein für Arbeiter in Mainz
Im Namen des Vorstandes:
| Der Sprecher | Der Schreiber |
| Wallau | Cluß |
Adresse: An das Sekretariat des Bildungsvereins für Arbeiter in Mainz zu Händen des Herrn Adolph Cluß. Mainz, Franziskanergasse Nr. 1561/2.
2
[Sitzungsprotokoll der Kölner Gemeinde
des Bundes der Kommunisten vom 11. Mai 1848]
Sitzung Mai 11/48
Präsident Marx; fragt Gottschalk, welches seine Meinung oder seinen Beschluß sei in Hinsicht des B[un]d[es]: welche Stellung er, Gottschalk, jetzt dem B[un]d gegenüber jetzt einzunehmen gedachte.
Gottschalk erklärt, seinen gegebenen Austritt zu wiederholen, da durch die Umwälzungen in den jetzigen Verhältnissen [er] auch eine Umgestaltung der B[un]d[es]-Statuten verlangte und unter den bisherigen Statuten seine persönliche Freiheit gefährdet sei, erklärt aber, daß er in allen Fällen, wo der B[un]d seine Wirksamkeit wünschen sollte, er unter der gegebenen Bedingung seine Wirksamkeit vollständigst gewähren würde.
H. Bürgers, Präsident
Jos. Moll, Sekretär
3
Gerichtliche Untersuchung
gegen die „Neue Rheinische Zeitung“
Nr. 38 vom 8. Juli 1848]
* Köln, 7. Juli. Der Garant der „Neuen Rheinischen Zeitung“, Korff, und ihr Redakteur en chef, Karl Marx, wurden gestern auf dem Instruktionsamt vernommen, beide beschuldigt der Beleidigung resp. Verleumdung der bei der Verhaftung Annekens funktionierenden Herrn Gendarmen und des Herrn Oberprokurator Zweifel. Um 4 Uhr begann das Verhör. Nach Schluß desselben, ungefähr 6 Uhr, begleiteten der Instruktionsrichter und der Staatsprokurator Hecker die Inkulpaten in das Redaktionslokal, wo mit Zuziehung eines Polizeikommissars Haussuchung stattfand, um das Manuskript und so den Verfasser des angeschuldigten Artikels ausfindig zu machen. Es fand sich ein Zettel von unbekannter Handschrift vor, der indes nicht die Kopie des inkulpierten Artikels1 enthielt. Dieser Zettel wurde zu den Anklageakten gegen Marx und Genossen gelegt. Es scheint nach letzterm Ausdruck, daß man der Redaktion en masse2 den Prozeß machen will, obgleich der Gerant Korff, der die Zeitung allein unterschreibt, natürlich auch die gerichtliche Verantwortlichkeit übernimmt.
4
Gerichtliche Verfolgung
der „Neuen Rheinischen Zeitung“
Nr. 53 vom 23. Juli 1848]
* Köln, 22. Juli. Heute morgen war der Redakteur en chef der „Neuen Rheinischen Zeitung“, Karl Marx, abermals vor den Instruktsionsrichter geladen, um wegen des inkriminierten Artikels über die Verhaftung des Herrn Anneke verhört zu werden. Der Gerant der Zeitung, H. Korff, war diesmal nicht mitgeladen.
5
[Anzeige über die Einberufung des rheinischen
Kreiskongresses der demokratischen Vereine]
Nr. 66 vom 5. August 1848]
* Köln, 4. August. Nach Beschluß des demokratischen Kongresses zu Frankfurt, welcher Köln zum Vorort für die preußische Rheinprovinz bestimmt und die dortigen demokratischen Vereine beauftragt hat, einen Kreiskongreß zur Organisation der demokratischen Partei in der Provinz zusammenzuberufen, ladet der Zentralausschuß der hiesigen Vereine alle in der Rheinprovinz bestehenden Vereine mit demokratischer Tendenz ein, Abgeordnete zu diesem Kongresse zu ernennen, welcher Sonntag, den 13. August, hier stattfinden wird. Die Deputierten haben sich zu melden im obern Saale des Stollwerkschen Lokals.
Der Zentralausschuß der drei demokratischen Vereine in Köln
| Schneider II, Marx (Für die Demokratische Gesellschaft) | |
| Moll, Schapper (Für den Arbeiterverein) |
Becker, Schützendorf (Für den Verein für Arbeiter und Arbeitgeber) |
In einem Augenblick, wo unter der Firma von wandelnden „konstitutionellen“ Kongressen die Reaktion ihre Kräfte im ganzen Staate mustert und zusammenzieht, braucht den Demokraten die Notwendigkeit eines energischen Entgegenwirkens nicht ausführlicher entwickelt zu werden. Sie haben bloß von denselben Freiheiten Gebrauch zu machen, deren sich der Verein „Mit Gott für König und Vaterland“ und seine Zweigvereine erfreuen.
6
Die gerichtliche Verfolgung gegen die
„Neue Rheinische Zeitung“
Nr. 66 vom 5. August 1848]
× Köln, 4. August. Unsre Verwickelungen mit dem öffentlichen Ministerium gehen ihren Gang. Am vorigen Montag war der Gerant Korff wieder vor den Instruktionsrichter geladen, und gestern waren zwei unsrer Redakteure, Dronke und Engels, als Zeugen zitiert. Dronke ist auf einige Zeit abwesend, Engels erschien, wurde jedoch nicht eidlich vernommen, da man vermutet, daß der neulich in unsren Büros konfiszierte Zettel von seiner Handschrift ist, und es also möglich ist, daß auch er in die Anklage verwickelt wird.
Man sieht, das öffentliche Ministerium ist nicht damit zufrieden, daß der Gerant als verantwortlicher Herausgeber fungiert. Es soll der Redakteur en chef impliziert, es soll der Verfasser des fraglichen Artikels entdeckt, es sollen die Redakteure, von denen jeder der Verfasser des fraglichen Artikels sein kann, veranlaßt werden, gegeneinander, ja möglicherweise gegen sich selbst Zeugnis abzulegen,
7
[Aus dem Protokoll der Generalversammlung
der Demokratischen Gesellschaft in Köln am 11. August 1848]
Nr. 2 vom 25. August 1848]
Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls der vorigen Generalversammlung auf Verordnung des provisorischen Präsidenten Marx, verliest Herr Wolff den Protest an die deutsche Nationalversammlung wegen der Teilung Polens3, welcher mit Freude begrüßt und mit Akklamation angenommen wird.
Herr Rittinghausen vindiziert dem Herrn Marx das ihm neuerdings durch die preußische Regierung bestrittene Staatsbürgerrecht4 aus vielen Gründen. Er hält es für das beste, die Regierung zur Zurücknahme dieses ungesetzlichen und durchaus lächerlichen Schrittes durch eine Deputation morgen zu veranlassen, und im Falle die Regierung dies nicht wolle, einen Protest über solches Handeln direkt an den Minister zu richten. Nach Verlesung des Protestes wird derselbe angenommen und im Falle der Nichtzurücknahme der Verweigerung des Bürgerrechts für Marx zur Unterschrift heute abend aufgelegt.
Herr Marx entwickelt noch näher die Gründe des Unrechts der gegen ihn gefaßten Maßregel, welche durch den Beifall der ganzen Versammlung als schlagend anerkannt werden. Die Verhältnisse, weshalb die Regierung das Bürgerrecht verweigerte, sind eigentlich die, daß man früher vergeblich versucht hat, ihn für die Regierung zu gewinnen.
Herr Engels bringt eine neue fatale Polizeimaßregel gegen Schapper5 zur Sprache, wodurch derselbe mit Ausweisung bedroht wird. Er bespricht den Übergriff der Polizei, wobei er besonders hervorhebt, daß Schapper als Nassauer Bürger jedenfalls das Recht hat, als Deutscher betrachtet zu werden, und nach dem Beschlusse der Frankfurter Nationalversammlung als solcher sich in allen 38 deutschen Staaten aufhalten darf.
Als Deputierte, die Angelegenheit von Marx und Schapper dem Regierungspräsidenten und Polizeidirektor vorzutragen und eine Zurücknahme der betreffenden Beschlüsse zu erwirken, werden erwählt: Rittinghausen, Schneider und Bürgers.
Der Deputierte Gladbach, mit stürmischem Beifall bei seinem Erscheinen begrüßt, setzt des weiteren auseinander, daß weder von der Berliner noch von der Frankfurter Versammlung Heil zu erwarten sei.
Herr Engels hebt hervor, wie gerade Gladbach sich immer durch Freisinnigkeit, Kühnheit und besonders durch den energischen Protest hinsichts des Verfahrens gegen die Schleswig-Holsteiner in Spandau6 ausgezeichnet habe. Hierauf wird dem Herrn Gladbach ein dreimaliges Lebehoch gebracht.
8
[Protest der Demokratischen Gesellschaft in Köln
gegen die Einverleibung Posens in den Deutschen Bund]
Nr. 74 vom 13. August 1848]
* Köln, 12. August. Die Demokratische Gesellschaft von Köln hat folgenden Protest bei der Nationalversammlung eingelegt:
Hohe Nationalversammlung!
Die Demokratische Gesellschaft zu Köln, in Erwägung:
1. daß das im Freiheitskampf begriffene Deutschland andere Nationalitäten nicht unterdrücken, sondern in ihrem Streben nach Freiheit und Selbständigkeit fördern will;
2. daß die Freiwerdung Polens eine Existenzfrage für Deutschland ist;
3. daß den Polen ihre Freiheit und nationale Selbständigkeit von drei Despoten allerdings wiederholt geraubt;
4. daß seit 1792 alle Attentate gegen Polen und alle Teilungen desselben von der Reaktion stets gegen die Freiheit von ganz Europa gerichtet und andererseits jedesmal, wenn eine Freimachung der Völker eintrat, auch auf Wiederherstellung Polens gedrungen worden;
5. daß selbst der Fünfzigerausschuß jeden Anteil an dem wider Polen begangenen Frevel im Namen des deutschen Volkes mit Entrüstung zurückgewiesen und die Pflicht des letzteren, zur Herstellung eines selbständigen Polens mitzuwirken, klar ausgesprochen;
6. daß sogar der König von Preußen nach der Märzrevolution, durch die öffentliche Meinung gezwungen, die Reorganisation Posens feierlich zugesagt;
7. daß demungeachtet die, freilich aus indirekten Wahlen hervorgegangene Nationalversammlung zu Frankfurt in der Sitzung vom 27. Juli c.7 die Einverleibung von drei Vierteln des Großherzogtums Posen in das noch gar nicht existierende deutsche Reich beschlossen und sich dadurch einer neuen Teilung Polens und der nämlichen Verhöhnung der Freiheit wie der Wiener Kongreß und der deutsche Bundestag schuldig gemacht;
8. daß jedoch der gesunde Teil des deutschen Volkes an dem Zertreten der polnischen Nationalität zu Gunsten der Reaktion und im Interesse einer Anzahl preußischer Bürokraten, Gutsbesitzer und Schacherseelen keinen Teil haben will und kann;
beschließt in ihrer heutigen Sitzung:
gegen den von der deutschen Nationalversammlung am 27. Juli c. bezüglich des Großherzogtums Posen gefaßten Beschluß feierlich zu protestieren und vor Deutschland, Polen und ganz Europa gegen diese lediglich zum Vorteil der reaktionären Partei in Preußen, Rußland und Oestreich beliebte Einverleibung hiermit energische Verwahrung einzulegen.
Die Demokratische Gesellschaft
Im Auftrage:
Das Komitee
9
Die gerichtliche Untersuchung gegen die
„Neue Rheinische Zeitung“
Nr. 74 vom 13. August 1848]
* Köln, 12. August. Die interessanten Beziehungen unserer Zeitung zu dem öffentlichen Ministerium nehmen noch immer ihren Fortgang. Gestern war wieder einer unserer Redakteure, Ernst Dronke, als Zeuge vor den Instruktonsrichter geladen. Eine eidliche Vernehmung fand nicht statt, da eine Denunziation vorlag, daß Dronke am Abend nach der Verhaftung Annekes bei dessen Frau gewesen und dort Notizen über die Verhaftung gesammelt habe. Auf die Frage des Zeugen, gegen wen die Anklage gerichtet sei, wurde die Bezeichnung „Marx und Genossen“ dahin erläutert, daß man den verantwortlichen Geranten Korff nur eventuell, den Redakteur en chef, Karl Marx, dagegen als mutmaßlichen Verfasser des inkriminierten Artikels zur Verantwortung zu ziehen wünsche.
Dronke erklärte übrigens, daß er sich nicht verpflichtet halte, die Wahrheit zu sagen, da er als Redakteur möglicherweise bei der Autorschaft des Artikels kompliziert sein könne und nicht gegen sich selbst Zeugnis ablege.
10
[Berichte über das Auftreten von Marx
im Wiener Demokratischen Verein am 28. August 1848]
Nr. 94 vom 5. September 1848]
·|.Wien, 29. August. In der gestrigen Versammlung des Demokratischen Vereins wurde darüber beraten, ob der Verein zum Sturze des Ministers Schwarzer oder vielmehr zum Sturze des ganzen Ministeriums Doblhoff beim Kaiser oder Reichstag Schritte tun solle. Herr Julius Fröbel und Herr Marx waren als Gäste zugegen und beteiligten sich beide von verschiedenen Standpunkten aus an der Debatte.
Herr Julius Fröbel war der Ansicht, der Verein müsse sich deshalb an den Kaiser wenden, während Herr Marx behauptete, das demokratische Prinzip befinde sich im Reichstag. Niemand wundert sich hier, daß die Berliner „theoretischen“ sogenannten Demokraten sich praktisch mit den Fürsten zu „vereinbaren“ suchen.
vom 31. August 1848]
Wien, 30. August. Die Sitzung des Demokratischen Vereines vom 28. d. [Mts.] gehört zu den interessantesten und wichtigsten unserer Tagesgeschichte. Unter den anwesenden Gästen erwähnen wir den bekannten politischen Schriftsteller Julius Fröbel und den Herausgeber der „Neuen Rheinischen Zeitung“, Herrn Karl Marx; beide Männer sind durch ihr eigentümliches Schicksal von Bedeutung geworden. Auch als Schriftsteller nehmen sie eine bestimmte Stellung ein, die für Deutschland von Wichtigkeit ist...
Herr Marx meinte, es sei gleichgültig, wer Minister sei, denn es handelte sich jetzt auch hier – wie in Paris – um den Kampf zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat. Seine Rede war sehr geistvoll, scharf und belehrend...
11
[Berichte über die Rede von Marx
im Ersten Wiener Arbeiterverein am 30. August 1848]
vom 1. September 1848]
... Herr Dr. Marx redet über die Arbeiter, namentlich deutsche Arbeiter im Auslande. – Die Nationalwerkstätten und die letzte Arbeiterrevolution in Paris. Er spricht aus, daß die deutschen Arbeiter stolz sein können, daß eine bedeutende Anzahl der Deportierten Landsleute sind. – Die Chartisten in England, die letzten Bewegungen derselben. England und die vollständige Emanzipation der Arbeiter Europas. Belgien.
Herr Dr. Stifft jun.: Über die heutigen Zustände. Die Stellung und Zukunft der Arbeiter ...
vom 3. September 1848]
... Dr. Marx, Redakteur der „[Neuen] Rheinischen Zeitung“, begrüßt den Verein und macht es sich zur Ehre, auch in Wien vor einem Arbeitervereine zu sprechen, wie er es bereits in Paris, in London und in Brüssel getan ...
12
[Bericht über den Vortrag von Marx über Lohnarbeit
und Kapital in der Versammlung
des Ersten Wiener Arbeitervereins am 2. September 1848]
vom 5. September 1848]
... Herr Dr. Marx hält einen längeren Vortrag über Lohnarbeit und Kapital. Er sagt in der Einleitung, alle Revolutionen sind soziale Revolutionen. Das Kapital besteht nicht aus Geld, sondern aus Rohstoffen, Produktionsinstrumenten und Lebensprodukten; die Lohnarbeit macht das Kapital den Erzeugnissen gegenüber. Die Behauptung, daß das Interesse des Kapitalisten und des Lohnarbeiters dasselbe sei, ist falsch. Mit der Teilung der Arbeit wächst die Konkurrenz unter den Arbeitern, es sinkt der Lohn; noch vielmehr aber durch das Maschinenwesen. Die Produktionskosten bestimmen den Arbeitslohn. Die Zivilisation vermehrt nicht das Wohlbefinden der Arbeiter, sondern bewirkt das Gegenteil. Es wachsen die Steuern und die Preise der Lebensbedürfnisse.
Der Redner spricht noch über angewandte Heilmittel und deren Unzulänglichkeit, als z. B. Malthus' Übervölkerungstheorie. Die Armenhäuser Englands. Die industrielle Erziehung. Abschaffung der Schutzzölle und Steuern. Schließlich spricht er aus, daß die Verhältnisse sich verbessern müssen, weil die Arbeiter nicht alle als Arbeiter gebraucht, sondern teilweise erhalten werden ...
13
[Erwiderung der „Neuen Rheinischen Zeitung“
auf die Berliner Korrespondenz der „Breslauer Zeitung“
vom 29. August 1848]
Nr. 93 vom 3. September 1848]
Erwiderung
Die „Breslauer Zeitung“ läßt sich in Nr. 201 aus Berlin schreiben, Ritter Schnapphahnski habe eine Menge Aktien auf die „Neue Rheinische Zeitung“ genommen und deshalb hätten die Feuilletonartikel über ihn aufgehört, weil eine Zeitung unmöglich gegen ihre eigne Aktionäre polemisieren könne. Die angeblich demokratische „Düsseldorfer Zeitung“ hat sich gemüßigt gesehen, diese Insinuation in ihre Spalten aufzunehmen. Mag in Berlin gefabelt werden was da will, eine schlesische Zeitung mußte wissen, daß diese Behauptung eine Lüge war und warum sie es war. Die perfide Insinuation kommt aber leider zu spät. Schon Nr. 92 der „Neuen Rheinischen Zeitung“, die längst vor Ankunft der Nr. 201 der „Breslauer Zeitung“ ausgegeben wurde, enthält die Fortsetzung des besagten Feuilletons. Die „Neue Rheinische Zeitung“ ist übrigens ein Parteiblatt und hat bereits hinlänglich den Beweis geliefert, daß sie nicht käuflich ist.
Die Geranten
der „Neuen Rheinischen Zeitung“
14
Gerichtliche Verfolgung
der „Neuen Rheinischen Zeitung“
Nr. 95 vom 6. September 1848]
* Köln, 5. September. Gestern war abermals einer unsrer Redakteure, Friedrich Engels, in der Untersuchung gegen Marx und Genossen vor den Instruktionsrichter geladen, diesmal indes nicht als Zeuge, sondern als Mitbeschuldigter. Die Voruntersuchung ist geschlossen, und wenn das öffentliche Ministerium keine weitern Anträge macht, so wird binnen kurzem die Ratskammer zu entscheiden haben, ob Marx, Engels und Korff wegen Beleidigung resp. Verleumdung des Herrn Oberprokurators Zweiffel und der sechs Herren Gendarmen vor den Assisen zu erscheinen haben,
15
Volksversammlung und Sicherheitsausschuß
* Köln, 14. September. Wir kommen auf die gestrige Volksversammlung und ihre Resultate zurück, da diese in unserer Stadt ziemlich viel Aufsehen erregt haben.
Die Volksversammlung wurde bald nach 12 Uhr auf dem Frankenplatz durch Herrn W. Wolff eröffnet, der den Zweck der Berufung kurz angab und Herrn H. Bürgers zum Präsidenten vorschlug. Herr Bürgers, mit Akklamation angenommen, bestieg die Tribüne und gab das Wort wieder Herrn Wolff, der nun die Bildung eines Sicherheitsausschusses als Vertretung für die in den bestehenden gesetzlichen Behörden nicht vertretenen Teile der Bevölkerung Kölns vorschlug. Herr F. Engels unterstützte den Vorschlag, desgleichen die Herren H. Becker und E. Dronke. Der Vorschlag wurde von der mindestens 5000–6000 Menschen starken Versammlung unter stürmischem Beifall und mit allen gegen fünf Stimmen angenommen, nachdem auf wiederholte Aufforderung sich kein Gegner dagegen gemeldet hatte. Es wurde dann die Zahl der Mitglieder des Ausschusses auf 30 festgesetzt und diese 30 erwählt. Da sich unter diesen auch die beiden Verhafteten Gottschalk und Anneke befinden, so wurden für diese noch zwei Stellvertreter erwählt.
Herr F. Engels schlug hierauf folgende Adresse an die Berliner Versammlung vor:
An die Versammlung zur Vereinbarung der preußischen Verfassung in Berlin.
Die unterzeichneten Bürger Kölns,
in Erwägung:
daß die Versammlung zur Vereinbarung der preußischen Verfassung dem Ministerium die Pflicht auferlegt hat, den am 9. August beschlossenen Erlaß betreffs der reaktionären Bestrebungen der Offiziere zur Beruhigung des Landes sowie zur Vermeidung eines Bruchs mit der Versammlung ohne weiteres ergehen zu lassen8;
daß das Ministerium Auerswald-Hansemann infolge dieses Beschlusses seine Entlassung genommen und der König den eben gestürzten Reichsminister Beckerath mit Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt hat;
daß Herr Beckerath keineswegs die nötigen Garantien für Ausführung des Beschlusses der Versammlung bietet, vielmehr bei der bekannten kontrerevolutionären Gesinnung dieses Mannes sogar der Versuch einer Auflösung der Versammlung zu erwarten steht;
daß eine vom Volk gewählte Versammlung zur Vereinbarung der Verfassung zwischen König und Volk nicht einseitig aufgelöst werden kann, weil sonst die Krone nicht neben, sondern über der Versammlung stünde; daß die Auflösung der Versammlung somit ein Staatsstreich sein würde;
fordern die Versammlung auf,
bei einem Versuch zur Auflösung der Versammlung ihre Pflicht zu tun und ihre Plätze selbst der Gewalt der Bajonette gegenüber zu behaupten.
Diese Adresse wurde einstimmig angenommen und darauf die Versammlung aufgehoben.
Obwohl auf den höheren Teilen des Platzes zahlreiche Abgesandte des Bürgervereins standen, und obwohl behauptet wird, daß mehrere bekannte „Heuler“ ihr möglichstes taten, für Geld und gute Worte Skandalmacher zu gewinnen, obwohl ferner die Polizei in Zivil ziemlich zahlreich vertreten war, so hatte die Versammlung doch Takt genug, jede Ruhestörung zu unterdrücken.
Inzwischen saßen die Herren Befehlshaber der Bürgerwehr auf dem Ratshause und berieten, was zu tun sei, denn, meinten einige, es werde jedenfalls Unruhen setzen. Mitten in der Beratung ging die Tür auf, und herein stürzten die Führer des Bürgervereins, mit der Erklärung, der Sicherheitsausschuß sei der erste Schritt zur Revolution, Köln sei in Gefahr, die rote Republik sei auf dem Punkte, proklamiert zu werden, und wenn die Bürgerwehr allein nicht ausreichte, die Ordnung zu erhalten, so stelle sich der Bürgerverein mit Gut und Blut zur Verfügung des Herrn von Wittgenstein! Herr v. Wittgenstein war so klug, dies Anerbieten abzulehnen und ebenfalls keine Bürgerwehr unter die Waffen zu rufen. Die Folgen zeigten, wie recht die Bürgerwehr diesmal hatte.
Damit nicht zufrieden, hatten die Herren vom Bürgerverein noch während der Volksversammlung einen „Protest“ anschlagen lassen, den wir unten mitteilen. Der Protest, der nicht unterschrieben war, war binnen fünf Minuten von allen Ecken spurlos verschwunden. Gegen Abend erschien er wieder als Flugblatt mit fetter Schrift, in der Druckerei der „Kölnischen Zeitung“ gedruckt und an die Abonnenten dieses Blattes verteilt. Diesmal hatte er folgende erheiternde Einleitung:
Köln, 13. September 1848
Die sogenannten Demokraten wollen die durch die jüngsten Beschlüsse der Versammlungen zu Frankfurt und Berlin hervorgerufene Aufregung ausbeuten, um das immer mehr verlorene Terrain wiederzugewinnen und um jeden Preis einen Konflikt herbeizuführen. Zu dem Ende wird auch die am 11. d. M. hier in Köln vorgefallene Reibung zwischen Militär und Bürgern auf eine maßlose Weise in ihrer Wichtigkeit und Gefährlichkeit mit planmäßiger Übertreibung dargestellt und zu frevelhaften Zwecken mißbraucht. Heute morgen wurde sogar durch einen Maueranschlag eine Volksversammlung unter freiem Himmel auf 12 Uhr zusammenberufen, und diese Versammlung hat wirklich die in einem vorgelegten Verzeichnisse im voraus vorgeschlagenen und verabredeten Personen durch Zuruf zu einem Sicherheitsausschusse gewählt.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß niemand eine solche aus einer zufällig versammelten Volksmasse hervorgegangene, mit Umgehung der bestehenden Autorität ausgerufene Behörde anerkennen darf, und daß die Mitglieder dieses Ausschusses, falls sie als solche zu handeln sich anmaßen, sofort dem Gesetze verfallen. Inzwischen ist es besser, Verbrechen zu verhindern, als dieselben zu bestrafen, wenn sie vielleicht mit großen Opfern vollbracht sind.
Darum ist es Pflicht, alle Bürger zu warnen und auf die vorhandene Gefahr aufmerksam zu machen.
Zu dem Ende ist nachfolgender Protest nebst Aufforderung erlassen:
Protest
Die Bildung eines Sicherheitsausschusses ist der erste Schritt zur
Revolution.
Wer wahre Freiheit und Ordnung will, wird aufgefordert, die bestehenden Autoritäten mit aller Kraft zu unterstützen, den strafbaren Bestrebungen einer Minorität entgegenzutreten und gegen die Bildung eines Sicherheitsausschusses zu protestieren.
Insbesondere werden alle Bürgerwehnmänner aufgefordert, ihre Pflicht zu erfüllen, Gesetz und Ordnung mit Kraft zu schützen. Die vorgespiegelte Gefahr von seiten des Militärs ist beseitigt, und die wirkliche Gefahr wird durch die Bildung eines Sicherheitsausschusses herbeigeführt.
Mehrere Vorstandsmitglieder
des Kölner Bürgervereins
Der Sicherheitsausschuß hat sich gestern abend konstituiert und vor allen Dingen diesen heitern Protest zu den Akten genommen, womit die Herrn vom Bürgerverein wohl beruhigt sein werden. Er hat einen Präsidenten, einen Sekretär und drei Mitglieder eines Vollziehungsausschusses erwählt, ferner eine Zuschrift an den Regierungspräsidenten, die Kommandantur, den Stadtrat und das Kommando der Bürgerwehr beschlossen, worin er diesen Behörden seine Konstituierung anzeigt und ihnen erklärt, er werde mit allen gesetzlichen Mitteln die Aufgabe verfolgen, wo möglich im Einvernehmen mit den Behörden, die Ruhe aufrechtzuerhalten, zugleich aber über die Erhaltung der Volksrechte zu wachen. Er beschloß ferner, dies in einem Maueranschlag an die Einwohner Kölns auszusprechen. Wir werden beide Aktenstücke morgen mitteilen.
Heute morgen haben sich die Gemüter schon etwas beruhigt. Man lacht über die gestrige Angst, die in dem Ausschuß eine provisorische Regierung, ein comité de salut public9, eine Konspiration für die rote Republik, kurz, alles mögliche sah, nur nicht das, was er wirklich ist: ein vom Volk direkt und öffentlich gewähltes Komitee, das sich die Vertretung der Interessen des in den gesetzlichen Behörden nicht vertretenen Teils der Bevölkerung zur Aufgabe stellt, das nur auf gesetzlichem Wege verfährt und dem es nicht einfällt, irgendeine andere Autorität usurpieren zu wollen, als den moralischen Einfluß, den das freie Assoziationsrecht, die Gesetze und das Vertrauen seiner Wähler ihm gestatten.
16
Volksversammlung in Worringen
Nr. 106 vom 19. September 1848]
* Köln, 18. September. Gestern fand bei Worringen eine große Volksversammlung statt. Von Köln waren fünf oder sechs große Rheinkähne, jeder mit ein paar hundert Menschen, die rote Fahne voraus, den Rhein hinabgefahren. Von Neuß, Düsseldorf, Krefeld, Hitdorf, Frechen und Rheindorf waren mehr oder minder zahlreiche Deputationen anwesend. Die Versammlung, auf einer Wiese am Rheine abgehalten, zählte mindestens 6000 bis 8000 Menschen.
Karl Schapper von Köln wurde zum Präsidenten, Friedrich Engels von Köln zum Sekretär ernannt. Auf Anfrage des Vorsitzenden erklärte sich die Versammlung mit allen gegen eine Stimme für die Republik, und zwar für die demokratisch-soziale, für die rote Republik.
Auf den Vorschlag von Ernst Dronke von Köln wurde dieselbe Adresse an die Berliner Versammlung, die vorigen Mittwoch auf dem Frankenplatz in Köln beschlossen worden (worin die Versammlung aufgefordert wurde, im Falle einer Auflösung selbst der Gewalt der Bajonette nicht zu weichen)10, auch von der Worringer Versammlung einstimmig angenommen.
Auf den Vorschlag von Joseph Moll von Köln wurde der in Köln in öffentlicher Volksversammlung erwählte Sicherheitsausschuß anerkannt und auf Antrag eines Mitgliedes der Versammlung demselben ein dreimaliges Hoch gebracht.
Auf den Vorschlag von Friedrich Engels von Köln wurde folgende Adresse einstimmig beschlossen:
An die deutsche Nationalversammlung in Frankfurt.
Die hier versammelten deutschen Reichsbürger erklären hiermit, daß sie, wenn aus der Widersetzlichkeit der preußischen Regierung gegen die Beschlüsse der Nationalversammlung und der Zentralgewalt ein Konflikt zwischen Preußen und Deutschland entstehen sollte, sie mit Gut und Blut zu Deutschland stehen werden.
Worringen, den 17. September 1848
Auf den Antrag von Schultes aus Hitdorf wurde beschlossen, daß die „Kölnische Zeitung“ nicht die Interessen der Rheinprovinz vertritt.
Es sprachen außerdem noch W. Wolff von Köln, F. Lassalle von Düsseldorf, Esser von Neuß, Weyll, Wachter, Becker und Reichhelm von Köln, Wallraf von Frechen, Müller, Mitglied des Worringer Arbeitervereins, Leven von Rheindorf, Imandt von Krefeld. Den Schluß der Sitzung bildete eine kurze Ansprache von Henry Brisbane von New York, dem bekannten Redakteur der demokratisch-sozialistischen „New York Tribune“.
Im Laufe der Sitzung wurde aus sicherer Quelle mitgeteilt, daß man beabsichtige, „am Dienstag die 27er wieder nach Köln rücken zu lassen, die übrigen Bataillone des Regiments ebenfalls herbeizuziehen, die Soldaten zu Streitigkeiten mit den Bürgern zu veranlassen, bei dieser Gelegenheit die Stadt in Belagerungszustand zu erklären, die Bürgerwehr zu entwaffnen und uns kurz und gut nach Mainzer Manier11 zu behandeln“.
Für den Fall, daß diese Nachricht wirklich begründet sei, daß es zu einem Zusammenstoß kommen sollte, haben die anwesenden Bewohner der Umgegend den Kölnern ihre Hilfe zugesagt. In der Tat warten die Worringer nur der Aufforderung, zu erscheinen.
Dies zur Notiz für den Exbürgerwehrkommandanten Herrn Wittgenstein.
17
[Beschluß der Volksversammlung in Köln
im Zusammenhang mit dem Aufstand in Frankfurt]
Nr. 110 vom 23. September 1848]
Um Nachdruck wird gebeten.
PROKLAMATION!
Die in einer Volksversammlung zu Köln am 20. September zusammengetretenen Reichsbürger
in Erwägung,
daß der Beschluß der Frankfurter Nationalversammlung vom 16. über Genehmigung des ehrlosen Waffenstillstandes mit Dänemark
ein Verrat an dem deutschen Volke und der Ehre der deutschen Waffen ist,
erklären:
Art. 1. Die Mitglieder der Frankfurter sogenannten Nationalversammlung, mit Ausnahme derjenigen, welche sich dem Volke bereit erklärt haben auszutreten, sind Volksverräter;
Art. 2. Die Frankfurter Barrikadenkämpfer haben sich um das Vaterland wohl verdient gemacht.
Diese Proklamation ist durch Maueranschläge und durch die Presse möglichst zu verbreiten.
Beiträge zur Unterstützung der Insurgenten und deren Familien wird die Expedition der „Neuen Rheinischen Zeitung“ in Empfang nehmen.
18
[Mitteilung der Geranten der „Neuen Rheinischen Zeitung“
über das Verbot des Blattes]
Extrablatt vom 28. September 1848]
AN UNSERE GEEHRTEN ABONNENTEN!
Durch den für Köln eingetretenen Belagerungszustand, wo die Feder dem Säbel untergeordnet sein muß, ist der
„NEUEN RHEINISCHEN ZEITUNG“
verboten zu erscheinen und kann dieselbe ihren Verpflichtungen den geehrten Abonnenten gegenüber vorerst nicht nachkommen.
Wir dürfen indessen hoffen, daß der exzeptionelle Zustand nur wenige Tage noch fortdauern wird, und werden wir dann im Laufe des Monats Oktober unser Blatt in vergrößertem Format, von neuen kräftigen Mitteln unterstützt, unsern Abonnenten um so pünktlicher zugehen lassen können, da wir binnen kurzem den Druck mittelst einer neuen Schnellpresse besorgen lassen werden.
Köln, den 28. September 1848
DIE GERANTEN
19
Einladung zum Abonnement
auf die „Neue Rheinische Zeitung“
Extrablatt vom 3. Oktober 1848]
Die „Neue Rheinische Zeitung“, welche von der bewaffneten Reaktion während des Belagerungszustandes der Stadt Köln auf die unverantwortlichste Weise für einige Tage unterdrückt wurde, wird, nachdem dieser Zustand am heutigen Tage wieder aufgehoben worden ist, aufs neue mit Energie und Besonnenheit die demokratischen Interessen des gesamten Volkes vertreten. Dies ist gerade jetzt um so nötiger, als wir alle gesehen haben, mit welcher kecken Rücksichtslosigkeit die bewaffnete Reaktion in der jüngsten Zeit den mit Recht errungenen Freiheiten des Volkes gegenübergetreten ist. Indem wir hiermit den Anhängern der Demokratie diese Mitteilung machen, fordern wir sie zu recht zahlreichem Abonnement für das jetzt beginnende 4. Quartal auf, da die ohnehin von vielen Seiten angefeindeten demokratischen Blätter insbesondere der lebhaften Teilnahme ihrer Anhänger bedürfen.
Abonnementspreis für Köln per Quartal 1 Taler, 15 Silbergroschen. Außerhalb Köln in Preußen 1 Taler, 24 Silbergroschen, 6 Pfennige. Außer Preußen mit Zuschlag des fremden Zeitungsportos.
Insertionen: die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 1 Silbergroschen, 6 Pfennige.
Köln, den 3. Oktober 1848
H. Korff,
Gerant der „Neuen Rheinischen Zeitung“
20
[Steckbrief gegen Friedrich Engels und Heinrich Bürgers]
Nr. 271 vom 4. Oktober 1848]
Steckbrief. Die hier unten signalisierten Personen haben sich der wegen Verbrechen, vorgesehen in den Artikeln 87, 91 und 102 des Strafgesetzbuchs, eingeleiteten Untersuchung durch die Flucht entzogen. Auf Grund des von dem Instruktionsrichter hierselbst erlassenen Vorführungsbefehls ersuche ich daher alle Behörden und Beamten, die es angeht, auf dieselben zu vigilieren und sie im Betretungsfalle zu verhaften und mir vorführen zu lassen.
Köln, 3. Oktober 1848
Für den Ober-Prokurator:
Der Staats-Prokurator Hecker
Signalement. I. Namen: Joh. Heinr. Gerhard Bürgers ....................................................................................................
II. Namen: Friedrich Engels; Stand: Kaufmann; Geburts- und Wohnort: Barmen; Religion: evangelisch; Alter: 27 Jahre; Größe: 5 Fuß 8 Zoll; Haare und Augenbrauen: dunkelblond; Stirn: gewöhnlich; Augen: grau; Nase und Mund: proportioniert; Zähne: gut; Bart: braun; Kinn und Gesicht: oval; Gesichtsfarbe: gesund; Statur: schlank.
21
[Artikel der „Neuen Rheinischen Zeitung“
über die Ausweisung von Engels und Dronke aus Belgien
und die „schwarze Liste“ der Kölner Polizei]
Nr. 116 vom 14. Oktober 1848]
* Köln, 13. Oktober. Ein sehr wohlunterrichteter Freund in Brüssel schreibt uns:
„Engels und Dronke wurden nur verhaftet und im Zellenwagen über die Grenze transportiert, weil sie unvorsichtig genug waren, ihre Namen zu nennen. Ein Arbeiter aus Köln, Schmitz, der bei der Befreiung Wachters tätig gewesen sein soll, teilte dasselbe Geschick. Die Brüsseler Polizei besaß nämlich eine lange Liste von Leuten, die aus Köln geflüchtet. So war die belgische Polizei auch genau über die angebliche Teilnahme von Schmitz an Wachters Befreiung unterrichtet.“
Ist der kommissarische Polizeidirektor Herr Geiger vielleicht über den Verfasser und Expedienten dieser schwarzen Liste unterrichtet?
22
[Aus dem Protokoll der Komiteesitzung des Kölner Arbeitervereins am 16. Oktober 1848 mit der Rede von Marx anläßlich der Übernahme der Präsidentschaft und der Ereignisse in Wien]
Der provisorische Präsident, B[ürger] Röser, erklärte, daß Dr. Marx auf die Bitte der vom Vereine an ihn abgesandten Deputation, sich an die Spitze unseres Vereines zu stellen, eingegangen, er ersuche ihn daher, seinen Platz einzunehmen.
Dr. Marx: Seine Stellung zu Köln sei prekär. Die Antwort, die er von dem Exminister Kühlwetter erhalten auf sein Renaturalisationsgesuch, gleiche einem versteckten Ausweisungsbefehl. Er würde dagegen allerdings Protest bei der Nationalversammlung einlegen. Andererseits sei er eines angeblichen Preßvergehens wegen vor die Assisen verwiesen. Überdem sei er durch die einstweilige Zersprengung des Redaktionskomitees der „Neuen Rheinischen Zeitung“ mit Arbeiten überhäuft. Nichtsdestoweniger sei er bereit, provisorisch bis zur Freilassung Dr. Gottschalks dem Wunsche der Arbeiter nachzukommen. Regierung und Bourgeoisie müßten sich überzeugen, daß ihren Verfolgungen zum Trotz sich immer Leute fänden, bereit, sich den Arbeitern zur Verfügung zu stellen.
Dr. Marx spricht dann ausführlicher über die revolutionäre Wirksamkeit der deutschen Arbeiter im Auslande und hebt schließlich die ausgezeichnete Rolle hervor, die sie in der neuesten Wiener Revolution spielen. Er schlägt daher eine Adresse an den Wiener Arbeiterverein vor. (Mit Akklamation angenommen.) ...
Der Antrag des Präsidenten (die Geschäftsordnung betreffend) ging dahin, daß die erste Stunde im Interesse der Gesellschaft (d. h. über ihre inneren und auswärtigen Angelegenheiten), die zweite über soziale und politische Fragen diskutiert und die Sitzung um halb 9 Uhr eröffnet würde. (Angenommen.) . . .
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[Aus dem Protokoll der allgemeinen Versammlung des Kölner Arbeitervereins am 22. Oktober 1848 unter dem Vorsitz von Marx]
Nr. 2 vom 29. Oktober 1848]
Der Präsident Dr.Marx eröffnet die Sitzung mit einigen Bemerkungen über das System der indirekten Wahl.
B[ürger] Röser: Wir haben eine Aufforderung erhalten, den am 26.ds. [Mts.] in Berlin stattfindenden demokratischen Kongreß zu beschicken. Es entsteht jedoch hierbei die Frage, ob der Arbeiterverein für sich allein oder in Verbindung mit dem demokratischen Vereine jemand hinsenden solle. In der letzten Komiteesitzung Ihres Vereines entschied man sich für das erstere, nämlich selbständig zu handeln, jedoch bleibt dies der Genehmigung der Versammlung vorbehalten und ist bei Annahme desselben auch wesentlich der Kostenpunkt zu berücksichtigen. Deswegen stelle ich den Antrag:
Daß wir für uns allein einen Deputierten wählen und zur Deckung der Kosten uns eine freiwillige Steuer auferlegen.
Der Antrag wird angenommen und als Minimum der Steuer 1 Silbergroschen festgesetzt...
B[ürger] Beust wird als Deputierter zum Kongreß in Berlin vorgeschlagen und gewählt.
Der Präsident Dr.Marx und Vizepräsident B[ürger] Röser werden als solche von der Versammlung bestätigt...
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[Bericht von Marx über die Ereignisse in Wien in der Komiteesitzung des Kölner Arbeitervereins am 6. November 1848]
Nr. 6 vom 12. November 1848]
... Pr[äsident] Dr.Marx macht eine kurze Mitteilung über die Ereignisse in Wien und hebt namentlich hervor, wie es nur durch den vielfachen Verrat der dortigen Bourgeoisie dem Windischgrätz möglich werden konnte, die Stadt zu nehmen...